Features im Radio

Features

Mittwoch 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Die Explosion von Beirut

Anatomie einer Katastrophe (3). Gestaltung: Monika Halkort Die Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020 war eine der schwersten nicht-nuklearen Katastrophen in der Geschichte. Rund drei Tonnen Ammonium- Nitrat hatten sich plötzlich, aus immer noch ungeklärten Gründen entzündet und eine Druckwelle in Gang gesetzt die das Kernstück des Hafens, sowie die umliegenden Bezirke, in Schutt und Asche legten. 211 Menschen starben, mehr als 6.500 wurden verletzt, mit zum Teil lebenslänglichen Folgen. Der Sachschaden an Häusern und Infrastruktur wird auf 4 Milliarden Dollar geschätzt. Die konkreten Umstände der Katastrophe liegen bis heute im Dunkeln. Fest steht, dass die hochexplosive Chemikalie unter grober Missachtung aller Sicherheitsbestimmungen, auf engstem Raum, unmittelbar neben Feuerwerkskörpern und leicht entflammbaren Autoreifen gelagert war. Die räumliche Anordnung der Güter, so der UN Sprengstoff Experte Gareth Collett, glich einem improvisierten Sprengsatz in der Größenordnung einer Lagerhalle, der nur darauf wartet zu explodieren. Die Umstände waren geradezu darauf ausgelegt, eine Explosion herbeizuführen. Bis dato ist niemand für die Explosion und ihre verheerenden Folgen zu Verantwortung gezogen worden. Führende Beamte der Zoll- und Hafenverwaltung sind zwar unmittelbar nach der Katastrophe verhaftet worden, aber rechtskräftige Urteile und Anklagen stehen aus. Der Untersuchungsrichter, der mit der Ermittlung zu den Ursachen des Desasters betraut wurde, ist mittlerweile abgesetzt worden. Er hatte sich das Recht herausgenommen, führende Regierungsvertreter und Ministeriumsbeamte zum Verhör zu laden, und setzte sich damit ins politische Aus. Anstatt Licht in die dunkle Schattenwirtschaft im Hafen zu bringen, haben alle offiziellen und inoffiziellen Ausklärungsversuche bisher nur neue, ungelöste Fragen und Rätsel zu Tage gebracht. Monika Halkort macht sich in einer 4-teiligen Radiokolleg Reihe auf die Spur der mysteriösen Faktenlage. Ihre Spurensuche führt zurück in die Wirtschaftswunderjahre der 50er und 60er Jahren, als der Libanon und seine Häfen zentrale Verhandlungsmasse im Kampf um die Ölressourcen und die daran geknüpfte politische wie militärische Kontrolle in der Region waren. Der Wettlauf zwischen den damaligen Supermächten USA, Russland und ihrer jeweiligen regionalen Verbündeten, legte den Grundstein für Rentierökonomie, die das Land mehr und mehr von externen Interessen und Investitionen abhängig machte und das politische Leben zutiefst gespalten und an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat. Die Explosion im Hafen von Beirut markiert den bislang verheerendsten Höhepunkt einer zutiefst bankrotten wirtschaftlichen und politische Ordnung, die den Staat und seine Infrastruktur zum Selbstbedienungsladen einer kleinen, alteingesessenen Elite an Kauf- und Handelsfamilien gemacht hat.

Mittwoch 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Kannibalismus Warum Menschen Menschen essen Moderne Mythen Zu gut, um falsch zu sein Das Kalenderblatt 4.8.1705 Johann Sebastian Bach prügelt sich auf dem Arnstädter Marktplatz Von Xaver Frühbeis Kannibalismus - warum Menschen Menschen essen Autor: Sebastian Kirschner / Regie: Martin Trauner Es klingt nach Filmfantasie, Gewalt und "wilden" Völkern am Ende der Welt: Kannibalismus. Sofort und unweigerlich denken wir an Kino-Scheusale wie Hannibal Lecter, an reale Verbrecher wie den Kannibalen von Rotenburg oder an raue Sitten fernab jeglicher Zivilisation. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Kannibalismus ist mehr als nur Hunger und Verbrechen. Als der amerikanische Biologe Bill Schutt sich mit der Geschichte des Kannibalismus befasst, stößt er nicht nur auf die Wurzeln des Tabus und wie es sich unaufhaltsam seinen Weg durch die Jahrhunderte bahnt. Der Wissenschaftler lernt extreme Situationen kennen, die selbst dieses größte aller Tabus außer Kraft setzen. Und er stellt fest: Menschen zu essen ist gar nicht so ungewöhnlich, wie es im ersten Moment scheint. Tatsächlich war es lange Zeit sogar in Europa geläufig - und das ist es in Teilen der westlichen Welt bis heute noch. Moderne Mythen - zu gut, um falsch zu sein Autorin: Julia Devlin / Regie: Sabine Kienhöfer Der moderne Mensch denkt, er sei rational und aufgeklärt. Doch trotzdem halten sich viele Mythen, die wie früher die Märchen mündlich weiter überliefert werden. Und niemand entlarvt diese Mythen als unwahr. Vielmehr kommen sie als klare wissenschaftliche Fakten oder als geschichtliche Tatsachen daher. Denn was einem breiten Publikum erst einmal plausibel erscheint, lässt sich oft nicht mehr aus dem allgemeinen Bewusstsein tilgen. Und das hat ganz viel mit dem unbewussten menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit zu tun, mit Vorurteilen - und auch mit einem großen Verlangen danach, unterhalten zu werden. radioWissen begibt sich in dieser Stunde auf die Spuren von uralten aber auch ganz neuen Mythen. Der Mythos von Adonis entstammt dabei wahrscheinlich dem semitischen Sprachraum, wo sein Name von "Adon", der Herr, abgeleitet wurde. Auch in der Bibel ist schon von einem "sehr schönen Mann" die Rede, namens "Adonia". Der Adonis-Mythos hat sich in der Antike im gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet. In Griechenland wird ihm "Aphrodite" zur Seite gestellt, in Rom "Venus". Allen Mythen gemeinsam sind die Themen: Liebe, Tod, Auferstehung. Die Göttinnen begehren ihn, doch keine besitzt ihn ganz. Seine besondere Leidenschaft gehört der Jagd, und die ihm zum Verhängnis wird. Ein Eber verletzt ihn tödlich, und aus seinen zur Erde fallenden Blutstropfen sprießen Anemonen - Adonisröschen. Von jeher gilt ein Adonis als besonders attraktiver Mann, dem einen zur Freude, dem andern zur Last. Längst gesteht man auch dem männlichen Geschlecht zu, sich um seine Schönheit zu kümmern. Die Möglichkeiten, diese mithilfe der Kosmetik, Mode, Sport und Schönheitschirurgie zu erhalten - oder gar zu gestalten - sind vielfältig. Erstsendung: BR 2011 Moderation: Florian Kummert Redaktion: Bernhard Kastner

Mittwoch 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Sehnsuchtsort Kleingarten

Vom Nahrungsmittellieferant zum Spekulationsobjekt (3), Gestaltung: Kim Shirin Cupal Man kennt ihn hierzulande vor allem als Kleingarten aber auch als Schreber- oder Heimgarten oder gar als Parzelle ist er den Menschen ein Begriff. All diese Namen beschreiben das Gleiche: ein Stück eigenes Grün, eingezäunt und seit jeher von Kleingartenvereinen verwaltet. Eine besondere Rolle spielen diese Anlagen vor allem in Wien, wo sie längst als eingesessene Institution gelten. Hier gibt es heute über 26.800 Kleingärtner/innen, organisiert in 247 Vereinen. Der Großteil dieser Menschen lebt bereits dauerhaft in den heute mit Einfamilienhäusern versehenen Siedlungen, während eine immer kleiner werdende Gruppe nach wie vor an alten Beeten, Obstbäumen und Holzhütterln festhält. Die Geschichte des Kleingartenwesens ist lang, bunt und vielfältig und vor allem ist sie noch lange nicht am Ende. Es waren einstige Größen, wie der Krankenpfleger und Naturheilkundler Florian Berndl - Schöpfer des Gänsehäufels - die nach und nach die Kleingartenidee in Wien verwirklichten. Mit seinem "Neu-Brasilien" war er einer der ersten, der die Städter durch das Arbeiten im Garten zu einer natürlichen Lebensweise zurückführen wollte. Auch der 1882 in Wien geborene Nationalökonom, Arbeiter- und Volksbildner Otto Neurath gilt als maßgeblicher Mitgestalter der Bewegung. Er gründete 1920 den Österreichischen Verband für Siedlungs- und Kleingartenwesen, um die in Wien herrschenden Wohnungsknappheit und die Not der Siedler zu lindern, die Stadtplanung als Integration von Interessen von oben und unten voranzubringen und um Ordnung in die chaosähnliche Baubewegung bringen zu können. Eine wesentliche Rolle spielte dabei auch die Architektur Ikone Margarete Schüttte-Lihotzky, die 1920 erfolgreich die Zukunft des Wohnens in den Vorstädten propagierte und mit den von ihr entworfenen Notunterkünften, Inneneinrichtungen und Kernhäusern in die Geschichte eingehen sollte. Ein Radiokolleg von den Anfängen, über zur Gegenwart und hin zur Zukunft: Der Kleingarten als einstiger Kinderspielplatz, über zum wichtigsten Nahrungslieferanten für hungernde Städter, bis hin zum begehrten Spekulationsobjekt. Zudem erfahren wir, wie es um die Grünflächen in der Zukunft bestellt ist, welche Rollen sie in einer sich immer stärker erhitzenden Stadt spielen werden und ob weiterhin ein jeder ein Recht auf seinen eigenen kleinen Garten haben wird.

Mittwoch 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - I have a stream

Musikkonzepte, die die Pandemie überdauern (3). Gestaltung: Katharina Hirschmann Musik zur Verständigung unter verschiedenen Kulturen, um soziale Konflikte zu lösen, um eine kulturelle Tradition fortzuführen. Die Rolle der Musik in unserer Gesellschaft ist seit jeher tief verankert - und äußerst vielfältig. Sie dient der Unterhaltung wie der Reflexion. Die Rolle der Musiker/innen schien bisher klar definiert. Sie waren die Übermittler dieser musikalischen Botschaften, im Rahmen von Tonträgern, vor allem aber im Rahmen von Live-Auftritten. Konzerte sind Raum der Interaktion, des Austauschs, der Reflexion - für die Musiker/innen, aber vor allem auch für das Publikum. Der performative und interaktive Akt, den diese Auftritte darstellten, sind mehr als nur Unterhaltung: sie sind Lebensquell für zahlreiche Menschen. Was aber passiert, wenn diese Form auf einmal nicht mehr existiert? Wenn Musiker/innen der Nährboden ihrer Existenz genommen wird? Wenn dem Publikum dieser Ort des Austauschs und der Reflexion genommen wird? Welche neuen Formen hat diese Situation zutage gebracht? Oder anders gefragt: Wenn das Medium die Botschaft ist, wie ändert sich die Botschaft, wenn das Medium in der bekannten Form nicht mehr existiert? Durch die Unmöglichkeit aufzutreten, wurde die Rolle der Musiker/innen grundlegend in Frage gestellt. Musikvermittlung hat dadurch gezwungenermaßen neue Formen angenommen. Dabei sind alternative Konzepte entstanden, die die Pandemie im besten Fall überdauern werden. Crossmarketing lautet eines der Schlagworte, mit denen Musiker/innen der Krise begegnet sind - und ihr standgehalten haben. In diesem Kontext wurde Musik oftmals zu einem Service, das mit anderen Produkten lediglich mitgeliefert wird. Dabei stellt sich die Frage, ob es zu einer Entwertung der Musik gekommen ist. Ausweichen in andere Räume war eine andere Möglichkeit im Umgang mit der Krise. Das Erkunden der Außenwelt fand Eingang ins Konzertwesen - seien es Wälder, Wiesen oder Dome. Auch das Internet spielt in diesem Kontext eine entscheidende Rolle. Ob TikTok, Youtube oder andere Plattformen. Der virtuelle Raum bot eine Rückzugsmöglichkeit für zahlreiche Musikschaffende, die sich hier auf vielfältige Weise neu aufstellten - sei es in den allseits bekannten Wohnzimmerkonzerten per Stream oder in Form von DJ-Sessions im Rahmen von Computerspielen. Doch all das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die wohl auch nach der Pandemie nicht so schnell rückgängig gemacht werden können. Denn was im Internet angeboten wird, ist zumeist ein kostenloses Service, was nicht nur den Wert der Musik neu festlegt, sondern auch den der Musiker/innen. Es zeichnet sich bereits ab, dass Gagen nach der Pandemie neu verhandelt werden müssen. Die Musikviertelstunde geht der Frage nach, ob und wie man die Rolle der Musiker/innen neu definieren muss und stellt Konzepte vor, die während der Pandemie im letzten Jahr entstanden sind, diese aber überdauern können.

Mittwoch 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Das Reformjudentum Emanzipation und Aufklärung Chassidismus Die Welt der frommen Mystiker Das Kalenderblatt 4.8.1705 Johann Sebastian Bach prügelt sich auf dem Arnstädter Marktplatz Von Xaver Frühbeis Das Reformjudentum - Emanzipation und Aufklärung Autorin: Daniela Remus / Regie: Christiane Klenz Mit einem festlichen Gottesdienst wurde das imposante dreischiffige Gebäude 1844 im klassizistisch-neogotischen Stil eingeweiht: der Israelitische Tempel in der Hamburger Poolstrasse. Dieser Bau, der mit zwei Türmen und einer prunkvollen Fensterrosette über dem Eingang, architektonisch an eine christliche Kirche erinnerte, war das erste Gebäude weltweit, das als Reformsynagoge erbaut wurde. Wenige Jahre vorher hatten sich Hamburger Juden, unter ihnen auch der Bankier Salomon Heine, der Onkel von Heinrich Heine, zum Israelitischen Tempelverein zusammengeschlossen. Das Ziel dieser liberalen Gruppierung: das Judentum im Geiste der Aufklärung zu reformieren. Anfänglich von heftigen Anfeindungen begleitet, setzte sich die liberale Strömung des Judentums aber dennoch in Deutschland durch. Von hier aus wurde sie in die ganze Welt getragen. Zu Beginn der 1930er Jahre, vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, fühlten sich viele jüdische Deutsche dem reformierten Judentum zugehörig. Das ist heute anders, die meisten liberalen Juden leben heute in den USA. Chassidismus - die Welt der frommen Mystiker Autorin: Barbara Schneider / Regie: Anja Scheifinger "Gott ist in jedem Ding zu schauen und durch jede reine Tat zu erreichen" - So hat der Religionsphilosoph Martin Buber den Kern des Chassidismus beschrieben. Die Wurzeln der mystisch-religiösen Erweckungsbewegung liegen im Osteuropa des frühen 18. Jahrhunderts. Neben Talmudstudien und der Auseinandersetzung mit jüdischer Mystik versuchen die Anhänger durch Gebete, Lieder und Tänze Gott nahezukommen. In Gleichnissen und Erzählungen, mit Humor und Witz, verbreiten die chassidischen Rabbis ihre Lehren, die sich vor allem an das einfache Volk richten. Seit dem Holocaust existiert der Chassidismus in Europa nicht mehr. Die Chassidim, die vor den Nationalsozialisten fliehen konnten, leben heute vor allem in Israel und New York. Hier haben sie sich in eine abgeschlossene religiöse Welt zurückgezogen. Heute sind die Chassidim, die zum orthodoxen Judentum zählen, vor allem wegen ihrer religiösen Strenge bekannt. Moderation: Gabi Gerlach Redaktion: Bernhard Kastner

Mittwoch 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Kinderkur mit Langzeitfolgen Verschickungsheime in Westdeutschland Von Hilke Lorenz Für viele Kinder musste es verlockend klingen: sechs Wochen Erholung am Meer oder in den Bergen. Die Realität aber sah anders aus. Acht Millionen Kinder wurden von den 50er- bis weit in die 80er-Jahre hinein in sogenannte Kinderkurheime zur Erholung verschickt - oft ohne medizinische Indikation, um die Auslastung der Heime sicherzustellen. Die Kinder waren dort einem System ausgesetzt, das von ihnen Gehorsam einforderte und auf ihre seelischen Bedürfnisse wenig Rücksicht nahm. Gegen Heimweh gab es oft Medikamente. Sie wurden zum Essen gezwungen, um zuzunehmen. Elternbesuche waren verboten und die Briefe der Kinder nach Hause wurden zensiert. Die Geschichte der Verschickungskinder ist ein immer noch wenig bekanntes, nicht erzähltes Kapitel der westdeutschen Nachkriegsgeschichte.

Mittwoch 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Die Explosion von Beirut. Anatomie einer Katastrophe (3). Gestaltung: Monika Halkort Sehnsuchtsort Kleingarten. Vom Nahrungsmittellieferant zum Spekulationsobjekt (3). Gestaltung: Kim Shirin Cupal I have a stream. Musikkonzepte, die die Pandemie überdauern (3). Gestaltung: Katharina Hirschmann

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