Tagestipps im Radio

Tagestipps

Dienstag 18:30 Uhr SRF 2 Kultur

Kontext

Das ganze Leben 13 vielschichtig, kritisch betrachtet Wie Schweizer Museen von NS-Flüchtlingen profitierten Der jüdische Bankier Hugo Simon floh 1933 vor den Nationalsozialisten nach Paris. Seine Kunst brachte er wie viele andere Sammler in Schweizer Museen unter. Neue Forschung zeigt, wie seine Notlage als Verfolgter durch Schweizer Akteure skrupellos ausgenutzt wurde.Er schaffte es zwar aufs Schiff nach Brasilien, doch viel mehr als sein Leben konnte Hugo Simon 1941 nicht retten. Die Bilder aus seiner Sammlung hingegen hängen bis heute in Schweizer Kunstmuseen, in Zürich, Basel, Winterthur oder Chur. Wie sie dahin kamen, davon handelt dieser Kontext. Ein dunkles Kapitel Schweizer Kunstgeschichte mit Hugo Simons Urenkel, Rafael Cardoso, und der Provenienzforscherin Nina Senger. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreibt uns: kontext@srf.ch Mehr zum Kontext Podcast: https://srf.ch/audio/kontext

Dienstag 19:00 Uhr radio3

Feature

Not. Lust. Seyn Zu Fuß auf Spuren des Dichters Friedrich Hölderlin Von Astrid Alexander Der junge Hölderlin war voller Ideale, einer, der die Welt neu denken wollte. Ein Supergenie. Ein Zweifler. Ein Wanderer. Zum Denken und Schreiben brauchte er das Laufen. Im Frühjahr 1795 unternahm der Dichter nach einem dunklen Winter "eine kleine Fußreise": 300 km in sieben Tagen, von Jena nach Halle, Dessau und Leipzig. Astrid Alexander begibt sich mit zwei Künstlerinnen, der Sängerin Anne Schneider und der Akkordeonistin Susanne Stock, die einen Konzertabend zu Friedrich Hölderlin entwickeln, auf Spurensuche. Sie versuchen, mit dem Poeten Schritt zu halten, laufen einen Teil seiner Strecke nach, 20 bis 25 Kilometer am Tag. Sie erspüren Rhythmus und Musikalität seiner komplexen Sprache, die sich im Schreiten entfalten. So nähern sie sich der scheinbar schwer zugänglichen Poesie und transportieren seine Themen ins Hier und Jetzt: unterwegs sein, Grenzen überschreiten, scheitern, weitermachen. Autor und Regie: Astrid Alexander Sprecher*innen: Astrid Alexander, Urs Stämpfli Ton: Kaspar Wollheim Schnitt: Venke Decker Regieassistenz: Andreja Andrisevic

Dienstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Junge Frauen im Kloster Armut, Keuschheit, Freiheit Von Kirsten Dietrich Früher war der Weg ins Kloster oft alternativlos. Heute entscheiden sich junge Frauen selbstbewusst dafür. Im Mittelalter waren Novizinnen oft Kinder oder junge Teens. Im Kloster unterwarfen sie sich strengen Regeln, gewannen mit Bildung und ohne Eheverpflichtung aber auch Freiheiten. Frauen, die sich heute für ein Leben im Orden entscheiden, sind längst erwachsen und treffen ihre Entscheidung aus spirituellen Gründen. Warum gehen Frauen noch ins Kloster? Wie verändert sich das Leben der Ordensgemeinschaften durch die geringe Nachfrage?

Dienstag 20:03 Uhr SWR Kultur

Jazz Session

Jazzfest Berlin 2023 - Eve Risser Red Desert Orchestra Von Niklas Wandt Die französische Pianistin und Komponistin Eve Risser spielte ein fulminantes Konzert in Berlin mit ihrem zwölfköpfigen Red Desert Orchestra, das Musiker*innen aus Frankreich, Deutschland und Burkina Faso vereint. Das präparierte Klavier der Bandleaderin, Holz- und Blechblasinstrumente, Bass und Schlagzeug treffen auf die westafrikanischen Perkussionsinstrumente Balaphon, Djembe und Bara. Über dichten Grooves entfalten sich opulente zeitgenössische Arrangements, die sich dramatisch in die Freiheit, in die Dissonanz öffnen. Eve Risser: Intro So (Horse in Bambara) Sa (Snake in Bambara) Desert Rouge (Red Desert in French) Harmattan (African hot wind) Petit soir (Twilight in Mali) Gämse (Chamois in German) Soyayya (Love in Hausa) Eve Risser & Red Desert Orchestra: Eve Risser Antonin-Tri Hoang Sakina Abdou Grégoire Tirtiaux Susana Santos Silva Matthias Müller Tatiana Paris Belli Hié Mélissa Hié David Merlo Oumarou Bambara Emmanuel Scarpa

Dienstag 20:04 Uhr WDR3

WDR 3 Konzert

Mit Johannes Zink zamus: early music festival Gregorianik mit dunklen Kräften - das Belgische Vokalensemble Graindelavoix präsentiert beim "zamus: early music festival" Bearbeitungen des Chorals "Media vita in morte sumus". "Media vita in morte sumus" - mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen - wer sich im Mittelalter diesen gregorianischen Gesang anhörte, ging nach damaliger Vorstellung ein ziemliches Risiko ein. Wegen der eigentümlichen Verquickung von Leben und Tod und der eindringlichen Melodie wurde gemutmaßt, das Stück habe die Wirkung einer Beschwörung oder gar einer lebensbedrohlichen Verwünschung. Das ging so weit, dass eine kirchliche Synode in Köln beschloss, bei Aufführungen von "Media vita in morte sumus" habe zwingend ein Bischof anwesend zu sein. Das Belgische Ensemble Graindelavoix hat sich des vokalen Gefahrguts angenommen fürs "zamus: early music festival" eine Auswahl mehrstimmiger Bearbeitungen zusammengestellt und versichert, beim Anhören seien keine Schäden zu befürchten. Gregorianischer Gesang in polyphonen Bearbeitungen von Stephan Mahu, Ludwig Senfl, John Sheppard, Jacobus de Kerle, Nicolas Gombert, Jacobus Gallus, José Gay, Orlando di Lasso und Peter Philips Graindelavoix, Leitung: Björn Schmelzer Aufnahme aus St. Ursula, Köln

Dienstag 20:10 Uhr Deutschlandfunk

Hörspiel

Herrn Walsers Raben Von Wolfgang Hildesheimer Regie: Mario Hindermann Mit Peter Brogle, Grete Heger, Anne-Marie Blanc und Horst Warning Ton und Technik: Willy Helbig, Anneliese Hasler Produktion: SRF 1984 Länge: ca. 49" Adrian Walser hat von seinem Onkel einst eine Zauberformel bekommen, mit der er sich der unliebsamen Verwandtschaft entledigen kann, indem er sie in schwarze Raben zu verwandeln droht. Eine ganze Schar flattert jetzt vor seinem Fenster. Der junge, wohlhabende Müßiggänger Adrian Walser wird von seiner Haushälterin Frau Borgwald geweckt. Am Abend zuvor hat er zu viel getrunken, weil er an seinen Erblasser Onkel Fabian gedacht und ihn das schlechte Gewissen geplagt hat. Draußen vor dem Fenster sitzt, wie immer, eine Schar Raben. Adrians durch den Kater getrübte Stimmung wird nicht besser, als er erfährt, dass ihn seine unliebsame Tante Cosima besuchen kommt. Begleitet wird sie vom merkwürdigen Herrn Mönkeberg. Sie behauptet, dass ihr Neffe etwas mit dem Verschwinden der restlichen Familie zu tun hat, und erpresst ihn. Adrian soll ihre Tochter heiraten, damit sie sein Geheimnis für sich behält ... Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) floh als Sohn jüdischer Eltern 1934 aus Deutschland nach Palästina. Er studierte Malerei in London und war 1946 Simultan-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. Sein Werk umfasst Essays, Romane, Theaterstücke und Hörspiele, ab 1984 vorwiegend Grafiken und Collagen. Das Mitglied der Gruppe 47 erhielt zahlreiche Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis (1966). Hildesheimer starb 1991 in Graubünden.

Dienstag 21:00 Uhr NDR kultur

neue musik

aus Uruguay: Vladimir Guicheff Bogacz Von Helmut Peters Der in Montevideo geborene Südamerikaner Vladimir Guicheff Bogacz schreibt eine fast provokativ andere, eigenwillige Musik, die das Ensemble Musikfabrik, das Trio Catch oder das Ensemble Aventure in ihrer ganzen Vielfalt längst im Programm und gerade auf einem neuen gemeinsamen Album eingespielt haben. Einst an der Kölner Musikhochschule ausgebildet, ist der Gitarrist und Spezialist auch für performative Werke und Klanginstallationen heute selbst Kompositionsprofessor an der Fakultät der Künste in Montevideo. neue musik

Dienstag 21:05 Uhr Deutschlandfunk

Jazz Live

Ungefilterte Spielfreude Y-Otis beim J.O.E.-Festival 2024 Otis Sandsjö - Saxofon Dan Nichols - Keyboard, Electronics Petter Eldh - Bass, Electronics Jamie Peet - Schlagzeug Aufnahme vom 16.2.2024 in der Zeche Carl, Essen Am Mikrofon: Thomas Loewner Die Alben von Otis Sandjös Projekt Y-OTIS begeistern mit aufwändig produzierter Musik, in der sich verschiedene Genres auf faszinierende Weise mischen. Live spielt die Band einen genauso packenden Stilmix. Gemeinsam mit dem Bassisten und Produzenten Petter Eldh entwickelte Sandsjö seinen längst zum Markenzeichen gewordenen "Liquid Jazz": verschiedene Schichten von Fragmenten aus Jazz, Hip-Hop, elektronischer Musik und Ambient bilden die Grundlage für Sandsjös virtuoses Saxofonspiel, in dem er erweiterte Spieltechniken mit großem melodischen Gespür verbindet. All das passiert so beiläufig, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen bis zur Unkenntlichkeit zerfließen und einen unverwechselbaren, in sich schlüssigen Sound ergeben. Wie gut dieses Konzept auch abseits des Studios funktioniert, zeigten Sandsjö und seine aktuelle Live-Band beim Essener J.O.E.-Festival.

Dienstag 21:30 Uhr HR2

Freiheit Deluxe

Podcast mit Jagoda Marinic | zu Gast: Imran Ayata Songs of Gastarbeiter. Imran Ayata hat zusammen mit Bülent Kullukcu das musikalische Erbe der ersten sogenannten Gastarbeiter-Generation gehoben. Die Mehrheitsgesellschaft hat diese Kultur häufig übersehen und das hat auch die Erinnerung an sie gefährdet: Dankenswerterweise haben sich die beiden die Mühe gemacht, die weit verstreuten Reste der Gastarbeiter-Musik zusammen zu suchen und auch teilweise wieder neu aufzunehmen.

Dienstag 22:04 Uhr WDR3

WDR 3 Jazz

Mit Niklas Wandt Der US-Amerikaner hat sich ganz den Rahmentrommeln verschrieben - einer der ältesten und rudimentärsten Instrumentenformen der Menschheit. Glen Velez beherrscht solche Trommeln aus den unterschiedlichsten Musikkulturen und spielt mit ihnen hypnotische Musik zwischen Jazzimprovisation, New Age und Traditionen aus Indien, der arabischen Welt und Westafrika, Musik mit oft eigentümlich ritualistischem Einschlag. Glen Velez ist studierter Schlagwerker. Er ist eines der Gründungsmitglieder des Ensembles des New Yorker Komponisten Steve Reich, einem der Innovatoren der minimal music. Die unterschiedlichen Musikkulturen, die Glen Velez gelernt hat, spiegeln sich in seinem vielfältigen Instrumentarium wider: er spielt Trommeln wie das Kanjira aus Südindien, das Tamborim und Pandeiro aus Brasilien, das Bendir aus Nordafrika oder das Bodhran aus Irland. Klangfarben, die er häufig als Sideman einsetzt, etwa im Paul Winter Consort oder mit der Pat Metheny Group, oder auch in einer Reihe hervorragender Kleingruppen-Einspielungen für das Jazzlabel CMP aus dem Rheinland.

Dienstag 22:05 Uhr Deutschlandfunk

Musikszene

Was ist universell in der Musik? Die Rhythmen der Welt Von Christoph Drösser Es gibt keine menschliche Kultur ohne Musik. Musik ist universell - aber die Musiken der Völker unterscheiden sich stark voneinander. Die Instrumentierung, die Tonskalen, die Harmonien. Wie sieht es mit dem Rhythmus aus? Der Neurowissenschaftler Nori Jacoby vom Frankfurter Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik hat in den letzten Jahren ein umfangreiches kulturübergreifendes Forschungsprojekt zur Wahrnehmung, Reproduktion und Bewertung von Rhythmen in 15 Ländern geleitet. Dafür haben er und seine Kolleginnen auf allen fünf Kontinenten Material gesammelt, Experimente durchgeführt und nach Gemeinsamkeiten und Differenzen gesucht, u.a. in Indien und China, Namibia, und Mali, Uruguay und Bolivien.

Dienstag 23:00 Uhr radio3

Musik der Gegenwart

mit Andreas Göbel Der Komponist John Adams Mit seiner ganz eigenen Ausprägung von Minimal Music ist John Adams einem weit über die neue Musik Szene hinausgehenden Publikum bekannt geworden. Zu seinen erfolgreichsten Werken gehört die Oper "Nixon in China" über den ersten Besuch eines amerikanischen Präsidenten in China. Am 22. Juni hat eine Neuproduktion dieses Werkes an der Deutschen Oper Berlin Premiere.

Dienstag 23:00 Uhr HR2

Doppelkopf

Am Tisch mit Philipp Felsch, "Habermas-Biograf" Mehr als 70 Jahre Theorie und politisches Engagement: Am 18. Juni 2024 wird Jürgen Habermas 95 Jahre alt. Er war ein Schüler Adornos, hat seit den fünfziger Jahren die Debatten in der Republik mitgeprägt und ist weltweit einer der führenden Philosophen.

Dienstag 23:05 Uhr Bayern 2

Nachtmix

Mit Judith Schnaubelt Voices from planet LOVE Astral Traveling and Cosmic Jazz Mit dem furiosen Jazzfusionfunk-Song "Love brings happiness" eröffnet der große, alte Jazz-Pianist Lonnie Liston Smith sein Album fürs Label "Jazz is dead", das der ehemalige HipHop-Star Ali Shaheed Muhammad (A Tribe called Quest) und Adrian Young (Produzent, Musiker) anno 2020 in Los Angeles gegründet haben. Lonnie Liston Smith könnte jener Jazz-Komponist sein, der im Laufe seiner Karriere die meisten Stücke komponiert hat, in deren Titel das Wort LOVE auftaucht. "Love Beams." "Peace and Love.""Love is the Answer". "Journey into Love." Smith" s bekanntestes Stück aber ist "Astral Traveling". Ehe er die Liebe beschwor, musste er sich wohl erst auf Reisen begeben und auf eine Suche: Nach Spiritualität; nach Freiheit im musikalischen Ausdruck und im politischen Sinne; nach Klängen der Welt. Heute nennen wir diesen Stil des Jazz "Spiritual Jazz". Er feiert, wie überhaupt der Jazz der späten 60er und 70er Jahre, seit geraumer Zeit ein großes Comeback - siehe Alice und John Coltrane, Pharoah Sanders, Archie Shepp, Yusef Lateef und viele andere - wird aber auch ständig von jungen Bands zitiert und weiterentwickelt. Wir hören Alfa Mist, Bokani Dyer, Kassa Overall, das Onyx Collective oder Alabaster de Plume. It" s gonna be a trip, verspricht Judith Schnaubelt. Wiederholung vom 22. Mai 2023

Montag Mittwoch